Ukraine: Russland überzieht Kyjiw mit Luftangriffen – mehrere Tote
Putins Angriffskrieg
Das russische Militär hat in der Nacht schwere Attacken auf die Ukraine geflogen, es sollen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen zum Einsatz gekommen sein. In Kyjiw wurden offenbar mehrere Menschen getötet.

Einsatzkräfte an einem durch russische Angriffe beschädigten Wohnhaus in Kyjiw
Foto:
REUTERS
Automatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier. War die Zusammenfassung hilfreich? Danke für Ihr Feedback!
Die vorab befürchtete Welle schwerer Luftangriffe Russlands auf ukrainische Städte hat sich in der Nacht bestätigt: Um kurz nach Mitternacht waren in der Hauptstadt Kyjiw laut Behördenangaben und Medienberichten Alarmsirenen und heftige Explosionen zu hören. Demnach wurde fast in allen Landesregionen Luftalarm ausgelöst.
Aus Kyjiw wurden heftige Explosionen gemeldet, Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Die ukrainische Luftwaffe berichtete am Morgen von Dutzenden Flugkörpern und 351 Drohnen, mit denen die Ukraine über Nacht angegriffen worden sei. 37 Flugkörper und 326 Drohnen seien abgefangen worden.
Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko teilte via Telegram mit, es gebe bislang elf Opfer des Angriffs. Zudem seien 46 Menschen verletzt worden, etwa die Hälfte von ihnen müsse stationär behandelt werden.
Ein Wohnblock sei teils eingestürzt, hieß es. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Klitschko hatte zuvor erklärt, ein Wohnhaus im historischen Stadtteil Podil sei betroffen: »Da sitzen Menschen im siebten bis neunten Stock fest«, sagte Klitschko.
Zudem seien Trümmerteile von Drohnen auf ein zweites Wohnhaus in derselben Gegend sowie in anderen Stadtteilen der Stadt gefallen. Klitschko rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben.
Menschen in Kyjiw suchen in der Nacht zu Montag in einem unterirdischen Parkhaus Schutz
Foto:
Valentyn Ogirenko / REUTERS
Offenbar setzten die Angreifer neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper können besser manövriert und wegen ihrer geringen Flughöhe nicht so leicht vom Radar der Flugabwehr erfasst werden, dafür sind ballistische Raketen aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren. Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.
DER SPIEGEL
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des Nato-Gipfels in der Türkei am Dienstag schwere Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. »Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara« wolle er »noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten«, sagte Selenskyj in einem Video, das er bei Facebook verbreitete.
Selenskyj appellierte an die Partner seines Landes, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen. »Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen«, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch zur Verfügung zu stellen. »Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.«
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.